Stapler

Der Staplerschein – die wichtige Basis

Der Staplerschein – die wichtige Basis

Hubstapler und die Gefahren

Der Gesetzgeber schreibt eine einheitliche und verpflichtende PrĂŒfung fĂŒr das Fahren von Hubstaplern vor, mit deren Abschluss der sogenannte Fachkenntnisnachweis erworben werden kann. Mit dieser oft auch als „Staplerschein“ bezeichneten Qualifikation soll gewĂ€hrleistet werden, dass jeder Fahrer die spezifischen Funktionen und Besonderheiten von Hubstaplern kennt, beherrscht und die damit verbundenen möglichen GefĂ€hrdungen fĂŒr sich und andere richtig einschĂ€tzen und vermeiden kann.

Das vermittelte Wissen, das zum Erlangen des Staplerscheines gefordert wird, ist entscheidend, besser noch die Einhaltung der erlernten Regeln und Vorschriften. Von Hubstaplern geht allgemein ein hohes Gefahrenmoment aus, dies gilt es unter allen UmstÀnden zu beherrschen, darf nie vernachlÀssigt werden. UnfÀlle mit Staplern gehen nur selten glimpflich aus.

Vorschriften und Vorgaben vom Gesetzgeber

Hubstapler stellen besondere Anforderungen an den Fahrer, daher dĂŒrfen sie ausschließlich von geeigneten und ausgebildeten Mitarbeitern bedient werden.

Nach § 62 des Bundesgesetzes ĂŒber Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz – ASchG), BGBl. Nr. 450/1994, dĂŒrfen Arbeitgeber/innen zur DurchfĂŒhrung bestimmter – mit besonderen Gefahren fĂŒr die damit beschĂ€ftigten oder andere Arbeitnehmer/innen verbunden – Arbeiten nur Arbeitnehmer/innen heranziehen, die – neben anderen Voraussetzungen – die notwendigen Fachkenntnisse nachweisen können. Nach Abs. 2, 4 und 5 ist ein Fachkenntnisnachweis vorgesehen fĂŒr:

  • die DurchfĂŒhrung besonders gefĂ€hrlicher Arbeiten (Taucherarbeiten, FĂŒhren bestimmter Krane und Stapler, BeschĂ€ftigung im Rahmen eines Gasrettungsdienstes, DurchfĂŒhrung von Sprengarbeiten, sonstige Arbeiten mit vergleichbarem Risiko).

 

Die Verordnung des Bundesministers fĂŒr Wirtschaft und Arbeit ĂŒber den Schutz der ArbeitnehmerInnen bei der Benutzung von Arbeitsmitteln (Arbeitsmittelverordnung – AM-VO) und mit der die Bauarbeiterschutzverordnung geĂ€ndert wird
StF: BGBl. II Nr. 164/2000 (CELEX-Nr.: 389L0655, 392L0057, 392L0104, 395L0063).

 

Anwendungsbereich

  • 1. (1) Diese Verordnung gilt fĂŒr ArbeitsstĂ€tten, auswĂ€rtige Arbeitsstellen und Baustellen, die unter das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) fallen.

(9) Hubstapler sind mit Gabeln, Plattformen oder anderen Lastaufnahmemitteln ausgerĂŒstete selbstfahrende Arbeitsmittel mit Hubmast, die dazu bestimmt sind, Lasten zu heben, sie an einen anderen Ort zu verbringen, dort abzusetzen oder zu stapeln oder in Regale einzubringen oder um sonstige ManipulationstĂ€tigkeiten mit Lasten unter Verwendung besonderer ZusatzgerĂ€te durchzufĂŒhren. Hubstapler mit hubbewegtem Fahrersitz sind Hubstapler, die mit einem Fahrerplatz ausgerĂŒstet sind, der mit dem Lastaufnahmemittel zum Einlagern von Lasten in Regale angehoben wird.

 

Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen

  • 3. (1) ArbeitgeberInnen dĂŒrfen nur solche Arbeitsmittel zur VerfĂŒgung stellen, die hinsichtlich Konstruktion, Bau und weiterer Schutzmaßnahmen den fĂŒr sie geltenden Rechtsvorschriften ĂŒber Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen entsprechen.

(5) Die gemĂ€ĂŸ Abs. 4 durchzufĂŒhrenden Maßnahmen sind in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumenten im Sinne des § 5 ASchG zu dokumentieren. In dieser Dokumentation sind die festgestellten Gefahren und die dagegen ergriffenen Schutzmaßnahmen darzustellen.

 

Information

  • 4. (1) Wenn die Benutzung eines Arbeitsmittels mit einer Gefahr fĂŒr Sicherheit und Gesundheit von ArbeitnehmerInnen verbunden ist, mĂŒssen ArbeitgeberInnen dafĂŒr sorgen, dass alle ArbeitnehmerInnen, die diese Arbeitsmittel benutzen, ausreichende Informationen im Sinne des § 12 ASchG erhalten. Diese Informationen mĂŒssen zumindest folgende Angaben in Bezug auf die Sicherheit und Gesundheit enthalten:
1. Einsatzbedingungen des jeweiligen Arbeitsmittels,
2. absehbare Störungen


 

Unterweisung

  • 5. (1) Wenn die Verwendung eines Arbeitsmittels mit einer Gefahr fĂŒr Sicherheit und Gesundheit von ArbeitnehmerInnen verbunden ist, mĂŒssen ArbeitgeberInnen dafĂŒr sorgen, dass alle ArbeitnehmerInnen, die diese Arbeitsmittel verwenden, eine angemessene Unterweisung im Sinne des § 14 ASchG erhalten.

(2) Die Unterweisung vor der erstmaligen Verwendung von Arbeitsmitteln im Sinne des § 14 Abs. 2 Z 1 und Z 3 ASchG muss zumindest beinhalten:

1. Inbetriebnahme, Verwendung,
2. gegebenenfalls Auf- und Abbau,
3. Beseitigen von Störungen im Arbeitsablauf der Arbeitsmittel,
4. erforderlichenfalls RĂŒsten der Arbeitsmittel,
5. fĂŒr den jeweiligen Verwendungszweck vorgesehene Schutzeinrichtungen,
6. notwendige Schutzmaßnahmen.

 

  • 11 Zeugnisse zum Nachweis der Fachkenntnisse

(1) Ausbildungseinrichtungen dĂŒrfen Zeugnisse zum Nachweis der Fachkenntnisse nur ausstellen, wenn sie dazu gemĂ€ĂŸ § 14 ermĂ€chtigt wurden,

  1. nach DurchfĂŒhrung einer den §§ 5 bis 9 sowie dem Anhang 1 bis 6 jeweils entsprechenden Ausbildung und erfolgreicher Ablegung einer PrĂŒfung gemĂ€ĂŸ § 10 oder
  2. aufgrund einer entsprechenden Ausbildung im Ausland gemĂ€ĂŸ § 12.

 

StaplerunfÀlle in Tirol

Nach Zeitungsmeldungen kamen erst kĂŒrzlich in Tirol/Osttirol zwei Arbeitnehmer durch StaplerunfĂ€lle zu Tode. Was berichtende Journalisten nicht wussten – nicht nur Handbremse anziehen, sondern immer auch die Gabelzinken auf Bodenkontakt herunterlassen, dann gibt es kaum Probleme, wenn die Handbremse nicht angezogen wird. Mit gesenkten Gabelzinken ist es sehr unwahrscheinlich bis ausgeschlossen, dass sich der Stapler bewegt oder gar kippt.

 

Eiserne Vorschrift: bei Stillstand des Staplers, Handbremse anziehen und Gabeln am Boden aufsetzen, dies verhindert mit Sicherheit, dass sich der Stapler bewegen oder kippen kann.

 

Alle Fahrer die einen Stapler fĂŒhren sollten nachstehende Regeln kennen und vor allem beachten:

Diese ‚10 Goldenen Regeln fĂŒr Staplerfahrer‘ bilden die Basis fĂŒr Staplerfahrer.

Punkte, die ein Staplerfahrer immer vor Augen haben sollte, die ihn selbst und andere Personen schĂŒtzen:

1.)   Wie schwer ist meine Last?

2.)   Wie groß ist der Lastschwerpunktabstand?

3.)   Lastendiagramm / TragfÀhigkeitsdiagramm verstehen,

4.)   Typenschild / Wie schwer ist mein Stapler?

5.)   Immer beim Außer-Betrieb setzen: Gabelzinken senken (Bodenkontakt), SchlĂŒssel abziehen, Handbremse anziehen.

6.)   Niemals vor NotausgÀnge etc. parken.

7.)   Lasten gegen Verrutschen sichern.

8.)   Niemals mit gehobener Last fahren (Normal Max 15cm vom Boden die Last heben).

9.)   Nur Qualifizierte Arbeitnehmer mit den Fachkenntnis Nachweis / umgangssprachlich Staplerschein fahren lassen.

10.) UnfallverhĂŒtungsvorschriften / Betriebsanweisungen beachten.

 

Ausbildung und PrĂŒfung

Um eine gleichmĂ€ĂŸige Ausbildungs-QualitĂ€t zu erzielen, schreibt der Gesetzgeber im Detail vor, welche Kriterien bei der Ausbildung greifen und wie die anschließende PrĂŒfung zu erfolgen hat.

 

  • 9 DurchfĂŒhrung der Ausbildung

(1) Die Ausbildungseinrichtung muss eine Person bestellen, die fĂŒr die organisatorische Kursbetreuung zustĂ€ndig ist (Ausbildungsleiter/in). Diese Person muss zumindest auf einem Teilgebiet der Ausbildung ĂŒber fachliche Kenntnisse verfĂŒgen und FĂ€higkeiten in organisatorischer und pĂ€dagogischer Hinsicht besitzen.

(2) Die Ausbildungseinrichtung muss ĂŒber das fĂŒr die Vermittlung der theoretischen und praktischen Lehrinhalte erforderliche fachlich qualifizierte Lehrpersonal verfĂŒgen.

  1. Zur Vermittlung der erforderlichen praktischen FÀhigkeiten darf die Ausbildungseinrichtung nur Lehrpersonal einsetzen, das eine mindestens zweijÀhrige einschlÀgige TÀtigkeit nachweisen kann.

 

ErlĂ€uterung § 9 Abs. 2: Die Anforderungen an Sach- und Personalressourcen der Ausbildungseinrichtungen fĂŒr den Nachweis bestimmter Fachkenntnisse entsprechen im Wesentlichen jenen der SFK-VO, jedoch unter BerĂŒcksichtigung der hier fachspezifischen Erfordernisse des Lehrpersonals sowohl hinsichtlich des zur Vermittlung erforderlichen Fachwissens, als auch zur sicheren DurchfĂŒhrung praktischer Übungen. Es ist daher eine mindestens zweijĂ€hrige berufliche Praxis im Fachgebiet notwendig.

 

(3) Die Ausbildungseinrichtung muss ĂŒber die fĂŒr die Vermittlung der Lehrinhalte erforderlichen RĂ€umlichkeiten und ÜbungsplĂ€tze, Einrichtungen und Lehrmittel verfĂŒgen sowie ĂŒber die fĂŒr den praktischen Teil der Ausbildung erforderlichen technischen Einrichtungen und GerĂ€te.

 

ErlĂ€uterung § 9 Abs. 3: Die VerfĂŒgbarkeit ĂŒber die zur Vermittlung der Lehrinhalte erforderlichen Sachressourcen kann auch durch z. B. Leasingvertrag gewĂ€hrleistet werden, ist aber entsprechend nachzuweisen.

 

(4) Die Ausbildungseinrichtung hat den Kursteilnehmern/Kursteilnehmerinnen Unterlagen zur VerfĂŒgung zu stellen, in denen insbesondere die maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften sowie der aktuelle Stand der Richtlinien und Normen BerĂŒcksichtigung finden. Die Ausbildungseinrichtung hat geeignetes Lehrmaterial (wie Skripten, CD-ROM, Video) fĂŒr das Selbststudium zur VerfĂŒgung zu stellen.

 

Ausbildungsgebiet gemĂ€ĂŸ § 6 Z 2

FÜHREN VON HUBSTAPLERN

Ausbildungsinhalte Unterrichtseinheiten
1. Grundbegriffe der Mechanik und Elektrotechnik 4
2. Aufbau und Arbeitsweise von Hubstaplern, mechanische und elektrische AusrĂŒstung von Hubstaplern 4
3. Sicherheitseinrichtungen von Hubstaplern 2
4. Betrieb und Wartung von Hubstaplern 3,5
5. Abeitnehmerschutzvorschriften, sonstige Rechtsvorschriften, Normen und Richtlinien zum sicheren FĂŒhren von Hubstaplern 4
Mindestanzahl Unterrichtseinheiten (UE Theorie) 17,5
Frei gestaltbare UE 2
Praktische Übungen 1
GESAMTZAHL UE 20,5

 

  • 10 PrĂŒfungen

(1) Die Ausbildungseinrichtung hat PrĂŒfungen durchzufĂŒhren. Sie darf zu den PrĂŒfungen nur Personen zulassen, die eine von ihr durchgefĂŒhrte Ausbildung absolviert haben.

(2) Die PrĂŒfung muss aus einem theoretischen und einem praktischen Teil bestehen. Die PrĂŒfung kann in TeilprĂŒfungen abgelegt werden. Die Ausbildungseinrichtung hat zu gewĂ€hrleisten, dass die Ausbildung bei normalem Ausbildungsgang innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden kann.

 

Schwachstelle Mensch

Unfall-Untersuchungen haben ergeben, dass im Zusammenspiel Hubstapler – Mensch, die menschliche Einflussnahme auf den Stapler in den meisten FĂ€llen die Unfall-Ursache darstellt. Überdurchschnittlich dabei sind FehleinschĂ€tzungen einer Situation, zu schnelles Fahren oder eine gewisse FahrlĂ€ssigkeit. Das trifft meist nicht die AnfĂ€nger unter den Staplerfahrern, sondern die Routiniers, die schon viele Stunden am Stapler verbracht haben und im Inneren die Ansicht vertreten: „Mir nicht!“ – mir kann so schnell kein Fehler unterlaufen, schließlich habe ich schon einige gefĂ€hrliche Situationen ĂŒberstanden. Niemand kann ein tonnenschweres GerĂ€t in der Bewegung aufhalten oder beim Kippen mit Muskelkraft daran hindern.

 

AC Nautik e. U / Staplerschein Österreich. – die erfahrene AusbildungsstĂ€tte Österreichs fĂŒr den Staplerschein – hat sich die Unfall-Untersuchungen genauer betrachtet und kommt zu dem Schluss: Sicherer und weniger aufregend ist die Einhaltung der Vorschriften und Regeln – die haben sich ĂŒber viele Jahre bewĂ€hrt und wurden immer neu an die jeweiligen Möglichkeiten angepasst. Sie geben Hubstaplerfahrern so viel Freiraum, wie es gerade noch vertretbar ist, darĂŒber hinauszugehen ist einfach nur fahrlĂ€ssig.

Staplerschein Österreich wĂŒnscht allzeit gute Fahrt mit dem Stapler!

Quellen: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20005222

Stand: 16.08.2019