Dynamische Kräfte – Fahrverhalten des Hubstaplers

Staplerschein Österreich

Dynamische Kräfte – Fahrverhalten des Hubstaplers

 

Gesetzliches

Beschäftigung der Arbeitnehmer/innen mit Fachkenntnissen

  • 2. Mit nachfolgenden Arbeiten dürfen Arbeitgeber/innen nur Arbeitnehmer/innen beschäftigen, die die entsprechenden Fachkenntnisse durch ein Zeugnis gemäß § 4 nachweisen:

1.Durchführung folgender Arbeiten mit besonderen Gefahren:

b)Führen von Hubstaplern (§ 2 Abs. 9 AM-VO).

 

Nachweis der Fachkenntnisse

  • 4. (1) Der Nachweis der für die Durchführung von Arbeiten gemäß § 2 erforderlichen Fachkenntnisse im Sinn des § 62 Abs. 1 Z 2 i. V. m. Abs. 2 und 4 ASchG gilt als erbracht, wenn
  1. der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung, die die Voraussetzungen nach dieser Verordnung erfüllt, durch ein Zeugnis gemäß § 11 bestätigt wird, oder

 

(2) Der Nachweis der Fachkenntnisse (Sonderfall)

(4) Entspricht beim Führen von motorisch betriebenen selbstfahrenden Arbeitsmitteln mit wechselbarer Zusatzausrüstung zum Einsatz als Kran oder als Hubstapler (Kran-Stapler-Kombinationsgeräte) der durchzuführende Arbeitsvorgang

  1. dem Führen von Kranen, ist der Nachweis der Fachkenntnisse für das Führen von Kranen erforderlich,
  2. dem Führen von Hubstaplern, ist der Nachweis der Fachkenntnisse für das Führen von Hubstaplern erforderlich.

 

Dynamische Kräfte

Dynamische Kräfte beherrschen nicht nur den Stapler-Alltag, sie sind allgegenwärtig, sind Ursache bei vielen Unfällen. Mit dem Stapler eine Kurve zu eng gefahren und/oder die Geschwindigkeit nicht angepasst – im günstigsten Fall verrutscht nur die Ladung oder landet am Boden. Unfälle dieser Art geschehen weltweit, rund um die Uhr mit mehr oder weniger schweren Auswirkungen. Die Basis für diese Art der Missgeschicke sind die dynamischen Kräfte, die überall wirken, wo sich etwas bewegt oder bewegt wird. Die dynamische Kraft „ist die willkürlich ausgeübte Bewegung einer Masse innerhalb eines programmierten Vorgangs“.

Für die Berechnung der dynamischen Kräfte gibt es ein kompliziertes Regelwerk und physikalische Abhandlungen. Für den sicheren Umgang mit einem Hubstapler kann es nicht schaden, wenn man die unterschiedlichen Kräfte versteht und damit umgehen kann.

Die drei wichtigsten dynamischen Kräfte beim Staplerfahren werden nachstehend erklärt.

 

Fliehkraft

Die Fliehkraft oder auch Zentrifugalkraft ist die bekannteste da offensichtlich: Bei einem Ketten-Karussell, das sich mit Geschwindigkeit dreht, drückt die Fliehkraft die hängenden Sitze nach außen und in die Höhe. Auch beim Staplerfahren wird die Fliehkraft sicht- und spürbar.

 

Sobald ein Stapler eine Kurve fährt, wirkt die Fliehkraft auf den Stapler und die Ladung, drückt gegen die Kurvenrichtung nach außen. Um dieser Kraft entgegenzuwirken, trifft der Staplerfahrer entsprechenden Vorkehrungen:

 

  • Damit er selbst nicht von seinem Sitz und aus deiner Kabine gedrückt wird, schnallt er sich vor jeder Fahrt vorschriftsmäßig an.
  • Damit die Ladung nicht von der Gabel rutscht, wird sie vorschriftsmäßig befestigt und darauf geachtet, dass sie festsitzt und auf der Gabel aufliegt.
  • Damit der Stapler durch zu hohe Geschwindigkeit nicht umkippen kann, werden statt enger Kurven großzügige Bögen gefahren. Werden in schmalen Gängen enge Kurven nötig, wird die Geschwindigkeit entsprechend angepasst.

 

Trägheitskraft

Grundsätzlich ist jeder Körper bestrebt, im Stillstand zu verharren – sich bei Bewegung wie etwa beim Bremsen oder Beschleunigen – gleichmäßig weiterzubewegen. Soll ein Körper bewegt werden, muss die Trägheitskraft überwunden werden. Welche Kraft wirken muss, werden maßgeblich von der Masse des zu bewegenden Objektes und dessen Beschleunigung bestimmt.

 

Die Trägheitskraft spürt der Staplerfahrer beim Beschleunigen und Abbremsen deines Staplers. Beim Beschleunigen drückt es ihn – beim Abbremsen zieht es ihn aus dem Sitz heraus. Viel stärker noch wirkt die Trägheitskraft auf die Last der Ladung, bei Bremsmanöver zieht die Ladung nach vorn. Je größer die Last ist, je stärker die Beschleunigung oder der Bremsvorgang ist, je stärker ist die Wirkung der Trägheitskraft, d. h.:

 

  • Beim Staplerfahren stets vorschriftsmäßig angeschnallt sein, damit die Trägheitskraft keine Chance hat, den Fahrer aus dem Sitz zu ziehen.
  • Die Ladung muss zu jeder Zeit ordnungsgemäß gesichert sein, damit sie beim Bremsen nicht nach vorne und von der Palette rutschen kann. Der Hubmast sollte beim Fahren leicht nach hinten geneigt sein, um die Wirkung der Trägheitskraft abzuschwächen.

 

Reibungskraft

Neben der Trägheitskraft wirkt auch die Reibungskraft auf einen Körper, sie wirkt der Bewegungsrichtung entgegen.  Um einen Körper zu bewegen, muss die Reibungskraft überwunden werden.

Beim Stapler wirkt die Reibungskraft vor allem auf die Ladung – Vorsicht ist geboten. Nicht ausreichend gesichert und lose auf der Gabel liegend, rutsch sie beim Bremsen nach vorne – die einwirkenden Trägheitskräfte übersteigen die Reibungskräfte. Um die Reibungskraft zu erhöhen, nicht überrascht zu werden, sollte nachstehendes beachtet werden:

 

  • Es ist zu vermeiden, kleine und leichtere Pakete ohne entsprechende Sicherung zu transportieren.
  • Leichte Ladung besitzt keine hohen Reibungskräfte, bei Fahrmanövern verrutscht sie leichter.
  • Die Reibungskraft erhöhen, indem eine geeignete Unterlage (Palette, Gummimatte o.ä.) verwendet wird.

 

Vorsicht ist geboten!

Dynamischen Kräfte müssen beim Staplerfahren vorrangig beachten werden. Eine angemessene, vorausschauende Fahrweise und eine vorschriftsmäßige Sicherung der Last sind die Grundvoraussetzungen für einen unfall- und rutschfreien Transport jeder Ladung.

 

Dynamische Kräfte und ihre Regeln

Natürlich besteht für jede einzelne der dynamischen Kräfte ein interessantes Regelwerk. Dieses zu kennen ist sicher nicht verkehrt, für einen Staplerfahrer aber nicht eine der Grundvoraussetzungen zum Staplerfahren. Die Zusammenhänge und Auswirkungen der einzelnen Kräfte sollte jeder Staplerfahrer beachten.

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