Staplerschein – Ja oder nein?

Staplerschein – Ja oder nein?

Staplerschein?

Vielerorts herrscht die Ansicht, ein Gabelstaplerschein wĂ€re ĂŒberhaupt nicht notwendig und nur reine Geldschneiderei. Das stimmt mitnichten. Auf seinem eigenem PrivatgelĂ€nde darf jeder volljĂ€hrige mit einem eigenen Gabelstapler fahren, soviel er möchte. Sobald man sich jedoch auf fremdem GelĂ€nde oder öffentlichen Straßen befindet, ist ein Gabelstaplerschein zur Reduzierung von Personen- und SachschĂ€den zum FĂŒhren eines Hubstaplers Pflicht. Wenn also der Chef von seinem Arbeitnehmer verlangt, dieser solle „mal eben schnell“ was mit dem Stapler transportieren, dann sollte der Arbeitnehmer dieses verweigern, oder schauen, ob das auch mit der „Ameise“, einem nicht selbstfahrenden Beförderungsmittel funktioniert. Die Praxis sieht zwar hĂ€ufig anders aus, jedoch muss sich kein Arbeitnehmer auf augenscheinlich gesetzwidrige Handlungen einlassen.

Dem zu entgehen, muss der Arbeitgeber, wenn er den Arbeitnehmer auf dem betriebseigenen Gabelstapler fahren lassen will, eine innerbetriebliche Fahrerlaubnis dafĂŒr erstellen. LeasinggerĂ€tschaften gehören zwar zum Betriebsvermögen des Arbeitgebers, die Leasinggesellschaft kann jedoch den Personenkreis, der einen geleasten Gabelstapler fĂŒhren darf, an bestimmte Voraussetzungen knĂŒpfen. In der Regel wird das der Staplerschein sein.

Staplerschein in Österreich

Die PrĂŒfung fĂŒr den Staplerschein muss in Österreich jĂ€hrlich wiederholt werden. Dabei wird geprĂŒft, ob der PrĂŒfling in der Lage ist, den Stapler in verkehrstĂŒchtigem Zustand zu halten, und diesen richtig zu bedienen. Das beinhaltet ebenso das Erkennen auswechslungsbedĂŒrftiger Teile des Staplers. Sowohl gewissenhafte Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sollten also stets darauf achten, weder die ihnen gegenĂŒberstehende Arbeitsvertragspartei, und schon gar nicht fremde Personen zu gefĂ€hrden. Die innerbetriebliche Fahrerlaubnis sowie die regelmĂ€ĂŸige PrĂŒfung der Fahrkenntnisse des Arbeitnehmers sollten in der Regel ausreichen, ein fahrlĂ€ssiges Verhalten seitens eventuell zu Schaden gekommener Dritter nicht grundsĂ€tzlich unterstellen zu können. Im Falle von Unsicherheiten ĂŒber das Verhalten auf und mit Gabelstaplern in unĂŒblichen Situationen gibt sich der TÜV als Zertifizierungsstelle meist auskunftbereit.

Haftungsrisiken

GrundsĂ€tzlich gilt bei der Haftungsfrage die Differenzierung dessen, wer Schuld hat. Das BĂŒrgerliche Gesetzbuch unterscheidet zwischen leichter FahrlĂ€ssigkeit und grober FahrlĂ€ssigkeit. FahrlĂ€ssigkeit ist Voraussetzung fĂŒr schuldhaftes Handeln.

Anzuschauen ist außerdem das RechtsverhĂ€ltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Handelt es sich um einen normalen Arbeitsvertrag, so hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Gesundheit und das Leben des Arbeitnehmers wĂ€hrend dessen Arbeitszeit zu schĂŒtzen. Hat der Arbeitgeber vor, den Arbeitnehmer mit dem Gabelstapler seine Arbeit verrichten zu lassen, so ist demnach er derjenige, der sich versichern muss, dass der Arbeitnehmer auch dessen in der Lage ist. Tut er das nicht, handelt der Arbeitgeber grob fahrlĂ€ssig, im Schadensfall ist er also haftbar zu machen.

TĂ€uscht der Arbeitnehmer hingegen vor, einen Gabelstaplerschein zu besitzen, dĂŒrfte die Schuldfrage bei ArbeitsunfĂ€llen mit dem Gabelstapler, den dieser gefahren hat, außer Frage stehen. Auch eine Versicherung wird hier – wenn ĂŒberhaupt – nur vorlĂ€ufig eintreten, sich dann jedoch höchstwahrscheinlich im Zivilrechtsverfahren das Geld von dem Arbeitnehmer, der falsche Eigenschaften ĂŒber seine Person angab, wiederholen.

Dieses gilt nicht nur bezĂŒglich des Besitzes eines Staplerscheins, sondern selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒr die richtige Altersangabe. Wer nicht volljĂ€hrig ist, darf keine selbstfahrenden Arbeitsmittel betĂ€tigen.

Der feine Unterschied

Der typische Betrieb eines Hubstaplers beinhaltet die Gefahr des Kippens bei fehlerhafter Beladung oder falscher BetÀtigung. Der Hubstapler lÀsst sich durch hydraulisches horizontales und vertikales Bewegen der Gabel sowie dem Hubmast, auf dem die Transportware hoch- und runtergefahren wird, erkennen. Teleskopstapler hingegen schieben die Ware vor sich hin und besitzen aufgrund der aerodynamischeren Bauweise weniger die Gefahr des Kippens.

Der sogenannte Staplerschein gilt jedoch nur fĂŒr Hubstapler. Teleskopstapler bedĂŒrfen eines solchen nur, wenn sie in Ă€hnlicher Weise, wie ein Hubstapler genutzt werden. In wenigen AusnahmefĂ€llen darf – zumindest in Österreich – auch auf den Staplerschein verzichtet werden. Wenn die bewegte Last innerhalb der Radbasis transportiert wird, oder auch bei der Bedienung eines deichselgefĂŒhrten Hubstaplers. Arbeitsschutzmaßnahmen, die sich auf bestimmte Gefahrenbranchen beziehen, sind jedoch zusĂ€tzlich zu beachten.