Grundlagen der Standsicherheit

Standsicherheit – Kippsicherheit – nur eine Frage der Balance?

Grundlagen der Standsicherheit

Mit Hubstaplern lassen sich auch schwere Lasten sicher transportieren, vorausgesetzt seine Standsicherheit ist ausreichend.

Sollen sich Gabelstapler mit oder ohne Lasten sicher bewegen und keinerlei Schäden am Fahrzeug, Fahrer oder Transportgut auftreten – dann muss die Stand- bzw. Kippsicherheit stimmig sein, muss die Standsicherheit die Kippsicherheit stützen.

Statische Standsicherheit

Die Kippachse eines Staplers liegt exakt auf Höhe der Vorderachse. Das Gewicht des leeren Staplers liegt in etwa unter dem Fahrersitz. Solange der Gesamtschwerpunkt weit genug von der Kippachse entfernt liegt, ist die statische Standsicherheit gegeben. Je näher der Gesamtschwerpunkt an der Kippachse liegt, desto instabiler wird das ganze System: Der Stapler kann nach vorn kippen.

Last und Schwerpunkt

Bei der Aufnahme einer Last ist es wichtig, dass diese so nahe wie möglich am GabelrĂĽcken anliegt. Eine Palette muss so aufgenommen werden, dass der Schwerpunkt der Last möglichst weit hinten liegt. 

Bei einer symmetrischen Last aus einheitlichem Material kann vorausgesetzt werden, dass ihr Schwerpunkt im Mittelpunkt liegt. Bei unsymmetrischer Last kann der Schwerpunkt nicht ohne weiteres festgestellt werden, hier ist es sinnvoll, den Lastschwerpunkt zu markieren. Auch die Ansatzpunkte fĂĽr die Gabelzinken sollten gekennzeichnet sein.

Vor Fahrtbeginn ist die Last unbedingt abzusenken. Denn auch durch das Anheben der Last verschiebt sich der Gesamtschwerpunkt und die Kippgefahr steigt.

Hinweis

Anbaugeräte können den Gesamtschwerpunkt eines Staplers nach vorne verschieben und die Tragfähigkeit des Staplers negativ beeinflussen.

Die beschriebene statische Standsicherheit eines Staplers unterscheidet sich von der dynamischen Standsicherheit.

Dynamische Standsicherheit

Durch jede Bewegung: Beschleunigen, Abbremsen, Befahren von Schrägen oder auch durch Bodenunebenheiten wird die Standsicherheit beeinträchtigt. Deshalb muss stets vorausschauend und mit angepasster Geschwindigkeit gefahren werden. An Rampenfahrten, die Last immer bergseitig führen.

Seitliche Kippachsen

Jeder Stapler hat neben der Kippachse in Höhe der Vorderachse noch zwei weitere seitliche Kippachsen. Solange der Schwerpunkt innerhalb des Standsicherheitsdreiecks liegt, ist alles in Ordnung. Dies greift auch bei Staplern mit vier Rädern, die zur Lenkung an einer Pendelachse geführt werden.

Auch bei den seitlichen Kippachsen kommt es auf die dynamische Standsicherheit an. Beim Kurven fahren und Rangieren ist besondere Vorsicht erforderlich. Geschwindigkeit und Kurvenradius sind zu berücksichtigen. Plötzliche starke Lenkbewegungen können den Stapler seitlich zum Kippen bringen.

Unfallhäufigkeit

Hubstapler sind stark, schnell, wendig und wichtige, schier unentbehrliche Helfer im Bereich der Logistik. Diese Fahrzeuge befahren oft – fast rund um die Uhr – jeden Winkel eines Betriebes. Leider zählen Hubstapler aber auch zu den Unfallquellen mit hohem Gefährdungspotenzial.

Anfahrunfälle

Von den jährlich erfassten Staplerunfällen in den Betrieben, sind die häufigsten Unfälle, Fälle bei denen Fußgänger zu Schaden kommen. Sie werden vom Stapler erfasst, angefahren, überfahren oder gequetscht. Meist entstehen solche Unfälle beim Rückwärtsfahren oder Zurücksetzen. Mit 29 Prozent aller Unfallgeschehen nehmen Anfahrunfälle die Spitzenposition ein.

Ladegutunfälle

Ein Staplerfahrer verletzt beim Be- und Entladen mit seinem Hubstapler eine Person. Als Ursachen zählen hier: Einklemmen, Reißen, Quetschen oder auch Herabfallen ungesicherten Ladegutes, was meist zu schweren Unfällen führt. Immerhin fallen 27 Prozent aller erfassten Unfälle in diese Kategorie.

Kippunfälle

Diese Unfallgeschehen wird mit 25 Prozent am Gesamtunfallgeschehen und wohl als folgenschwerste Unfallursache eingestuft. Fordert diese Unfallart doch immer wieder Todesopfer.

Diese Unfallart wird deshalb immer wieder genauer untersucht und die Auslösemomente näher betrachtet. Die Ursachen bei Kippunfällen werden zugeordnet:

• zentrifugalkraftbedingt – hierbei kippt der Hubstapler durch zu schnelle Kurvenfahrt auch ohne Last und bei abgesenkter Gabel (11).

• fahrbahnbedingt – eine Seite des Gabelstaplers gerät bei Geradeausfahrt oder auch bei Kurvenfahrt in eine Bodensenke, auf eine Bodenerhebung oder die Räder versinken in unbefestigtem Erdbereich (13).

• lastbedingt – hierbei kippt der Gabelstapler infolge des hohen Gesamtschwerpunktes bei angehobener Gabel mit oder ohne Last (11).

• absturzbedingt – durch Überfahren einer Rampen- oder Schachtkante stürzt der Gabelstapler ab (6).

• kollisionsbedingt – hierbei kippt der Gabelstapler infolge des Zusammenstoßes mit einem anderen Flurförderzeug (2).

Die in Klammern () stehenden Zahlen nennen die Anzahl der Todesopfer in dem Zeitraum von 1992 bis 1998 fĂĽr das jeweilige Unfallgeschehen. Die Studie erschreckt und stimmt nachdenklich zugleich besonders der nachstehende Gedanke sollte Einfluss in die Ausbildung der Staplerfahrer finden.

„Die Erhöhung der Sicherheit von Gabelstaplern stellt nach wie vor eine technische Herausforderung an die Hersteller dar. Verbesserungen der seitlichen Kippstabilität durch konstruktive Maßnahmen, die die Ergebnisse theoretischer Untersuchungen konsequent umsetzen sind nur noch in einem sehr begrenzten Rahmen möglich, ohne andererseits wichtige Merkmale und Funktionalitäten erheblich zu verschlechtern.

Ein neuer Ansatz zur Lösung der Sicherheitsprobleme scheint in der Entwicklung und Einführung elektronischer fahrdynamischer Sicherheitssysteme zu liegen, ähnlich dem ESP im PKW“.

Quelle:

Die vorstehenden Informationen über die Kippunfälle wurden der Studie „DYNAMISCHE KIPPTESTE – Sicherheitsnachweis für Stapler“ der Universität der Bundeswehr Hamburg, Prof. Dr. -Ing. Rainer Bruns entnommen.